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Wie kann man mit Citizen Science seine Forschungs- und Bildungsziele erreichen? – ein Vortrag der US-amerikanischen Expertin Heidi Ballard

In den USA beteiligen sich Bürgerinnen und Bürgern besonders in den Natur- und Umweltwissenschaften bereits seit Jahrzehnten an wissenschaftlichen Projekten. Auch für Heidi Ballard war dies der erste Berührungspunkt mit dieser Art der Forschung. Damals beschloss sie ein partizipatives Aktionsforschungsprojekt aufzusetzen  und mithilfe von migrantischen Erntearbeiter/innen die ökologischen Auswirkungen der Ernte des immergrünen Strauches „Salal“ zu untersuchen.

Inzwischen ist Heidi Ballard Professorin und Leiterin des von ihr gegründeten Center for Community and Citizen Science an der University of California, Davis. Im Juni kam sie auf Einladung des Zentrums für Citizen Science nach Wien. In ihrem Gastvortrag “Achieving real outcomes for science and for education through citizen science: Why and how can researchers and institutions incorporate citizen science as a core strategy?” am 17. Juni im Naturhistorischen Museum Wien beleuchtete sie die unterschiedlichen Auswirkungen von Citizen Science auf Bildung und Forschung und stellte am Ende Citizen Science-Maßnahmen ausgewählter Institutionen vor.

  • „Community and Citizen Science“
    Weltweit gibt es unterschiedliche Citizen Science-Definitionen – manchmal breiter, manchmal enger gefasst. Heidi Ballard verwendet den Begriff „Community and Citizen Science“ und inkludiert damit Forschungsprojekte, die zum einen von der Wissenschaft und zum anderen von der Community geleitet werden. Ihr Fokus liegt dabei auf den Projekt-Ergebnissen und -Prozessen und im Speziellen auf der Frage, wie diese zu besseren Praktiken im Umwelt- und Wissenschaftsunterricht sowie zu einem besseren Schutz und Management der natürlichen Ressourcen beitragen können.
  • Wissenschaft und Umweltschutz
    Citizen Science-Projekte bergen ein großes Potenzial, wertvolle Beiträge zur Wissenschaft leisten zu können. Obwohl qualitativ hochwertige Daten produziert werden, wird jedoch nur ein Teil davon für weitere Forschungsarbeiten genutzt und wissenschaftlich publiziert. Eine Ursache lässt sich – laut Ballard – auf den Gegenstand der Förderungen zurückführen. Zahlreiche Citizen Science-Projekte in den USA erhalten zwar eine Finanzierung für die Datensammlung, nicht jedoch für die Datenanalyse- und -interpretation. Analysiert man die Auswirkungen auf den Umweltschutz, zeigt sich neben dem wissenschaftlichen auch der Impact auf Policy- und Managementebene.
  • Bildung und Lernen
    Die Auswirkungen einer Teilnahme an Citizen Science-Projekten sieht Heidi Ballard in drei Bildungsbereichen: „Wissenschaftliches Lernen und Engagement“, „ziviles Engagement und Leadership“ und/oder „Umweltverantwortung“. Effekte in Bezug auf wissenschaftliches Lernen können z.B. das Verständnis für projektspezifisches Wissen, für wissenschaftliche Prozesse oder die Identifikation mit Wissenschaft steigern. Interessant ist dabei die Tatsache, dass sich die Mehrheit von Teilnehmenden zwar selbst nicht als „Forschende“ sieht, aber als Beitragende und sogar als Teil der wissenschaftlichen Community.
  • Institutionen
    Schaut man sich die institutionelle Ebene in den USA an, stechen vor allem fünf Universitäten heraus, die unterschiedliche Maßnahmen setzen, um Citizen Science auch innerhalb der Einrichtungen stärker zu integrieren. Dazu gehören die University of California, Davis, die Arizona State University, die University of Minnesota, die University of Washington und die North Carolina State University. Sie setzen auf Partnerschaften (z.B. Match-making zwischen Forschenden, Communities und Behörden oder Kooperationen mit Schulen), Bildung (z.B. Citizen Science in Lehrveranstaltungen), Kompetenzaufbau (z.B. Citizen Science-Training für Forschende, Auszeichnungen für Fakultäten bzw. Forschende für Citizen Science) und Technologie (z.B. Plattformen für Datensammlung und -analyse, Ressourcen für Forschende).

Auf den Vortrag von Heidi Ballard folgte ein spannender Reply von Barbara Prainsack, Professorin für Vergleichende Politikfeldanalyse an der Universität Wien, in welchem sie u.a. auf die Entwicklung und Demokratisierung von Citizen Science einging. Anschließend hatten die Teilnehmenden die Chance, sich direkt an die beiden Expertinnen zu wenden. Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum zeigten, wie groß das Interesse an der Durchführung von Citizen Science-Projekten ist. Sie zeigten aber auch, dass der Wissenstand der Akteurinnen und Akteuren im Bereich Citizen Science noch sehr unterschiedlich ist.

Die Präsentation von Heidi Ballard kann HIER heruntergeladen werden.

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