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5. Österreichische Citizen Science Konferenz 2019

Mittlerweile sind seit der Österreichischen Citizen Science Konferenz in Obergurgl über zwei Wochen vergangen – höchste Zeit ein Fazit zu ziehen. Wir waren vom Zentrum für Citizen Science zu dritt vor Ort und erlebten drei intensive Tage gefüllt mit Gesprächen, Vorträgen, Sessions, alten Bekannten und neuen Gesichtern. Obwohl fast 2000 Meter zu „erklimmen“ waren, trafen sich etwa 130 Citizen Science-Enthusiastinnen und -Enthusiasten vor allem aus Österreich, Deutschland und der Schweiz in den Bergen. Gemeinsam loteten wir das Konferenzmotto „Grenzen und Übergänge“ aus und entdeckten im Austausch miteinander das Verbindende oder auch das Trennende. 

Tag 1: Neue Citizen Science-AG zu Schulen, institutionelle Incentives und eine Speedpostersession

Für uns als Mitarbeiterinnen des Zentrums ging es am ersten Tag bereits früh am Morgen los: Österreich forscht lud um 8.00 Uhr – noch vor dem offiziellen Konferenzstart – zum jährlichen Plattformtreffen. Was hatte sich in den letzten Monaten rund um die Plattform und Mitglieder getan? Wie sollte es weitergehen? Im Rahmen dieses Treffens riefen wir die Arbeitsgruppe „Citizen Science an/mit Schulen“ ins Leben. Sie soll u.a. Empfehlungen von Forschenden und Lehrpersonen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sammeln und für weitere Interessierte entsprechend aufbereiten. Beim ersten Treffen, das im Anschluss an den allgemeinen Teil vor Ort stattfand, kamen bereits zahlreiche Anregungen und Ideen auf. Wer sich für die AG interessiert, kann gerne eine E-Mail an citizenscience@oead.at schreiben.

Am frühen Nachmittag war es dann soweit. Susanne Hecker, die zu Fragen des Einflusses von Citizen Science an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik und der Rolle der Kommunikation in partizipativen Forschungsprojekten forscht, eröffnete mit ihrer Keynote die 5. Österreichischen Citizen Science Konferenz. Die darauf folgende Pause war eine kurze, denn wir mussten den Raum für die nächsten Session zu „Über (fehlende) Citizen Science-Incentives & Anerkennung – Was motiviert &was hindert Forschende?“ vorbereiten. Hier präsentierten wir internationale Incentives auf institutioneller Ebene und diskutierten mit den Teilnehmenden zu „Mehrwert von Citizen Science für Forschende“, „Wertschätzung und Anerkennung“ und „Nutzung bestehender Strukturen auf institutioneller Ebene“. Themen, die uns alle bewegen, die jedoch noch viel Umdenken erfordern, besonders im Wissenschaftssystem. Gleich im Anschluss eilten alle Konferenzteilnehmerinnen und –teilnehmer zu den Speedposter-Präsentationen. Das Zeitlimit von einer Minute war für manche Vortragenden schon „hart an der Grenze“.

Tag 2: Von Neuseeland nach Österreich zum ersten Citizen Science Slam in den Bergen

Der zweite Tag begann mit einer Keynote von Monica Peters, die wohl am weitesten von allen angereist war. Mit zahlreichen Citizen Science-Projektbeispielen zu Flora und Fauna gab sie einen Einblick in die Citizen Science-Landschaft ihrer Heimat Neuseeland. Sie sprach davon, dass Citizen Science nicht wie in Europa von Forschungseinrichtungen vorangetrieben wird, sondern von Bürgerinnen und Bürgern, die sich besonders für die einzigartige Natur der Insel engagieren. In der darauf folgenden Vortragssession machte besonders das Projekt „D-Noses“, das für „Distributed Network for Odour Sensing, Empowerment and Sustainability“ steht, Eindruck. Das EU-Projekt schafft es, diverse Stakeholder zusammenzubringen, nämlich Bürgerinnen und Bürger mit Interessenvertreterinnen und -vertretern aus Industrien, lokalen Behörden, NGOs und Universitäten.

Für uns folgte eine vom Zentrum für Citizen Science organisierte geschlossene Session für die Young Science- und Citizen Science-Kontaktpersonen von PHs, FHs, Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie Museen, bei der die Motivation von Forschenden aber im Speziellen auch von Citizen Scientists im Vordergrund stand. Wo wäre Citizen Science ohne diese? Nach dem wohl verdienten Abendessen, stand uns noch der Citizen Science Slam bevor. Die ideenreichen Slammer stellten mit Luftballons Ozon-Moleküle nach, bestiegen Berge mit Leitern und führten in voller Poetry-Manier ein Gespräch zwischen einer Nacktschnecke und einem Gärtner über Leben oder Tod. Kreativität pur!

Tag 3: Erwartungen von Forschenden vs. Möglichkeiten von Fördergebern

Am letzten Konferenztag startete das Zentrum für Citizen Science mit dem FWF und der FFG in die erste Session „Citizen Science-Förderungen: Erwartungen von Forschenden vs. Möglichkeiten von Fördergebern“. Mit Hilfe von etwa 20 Teilnehmenden suchten wir Antworten auf die Fragen: „Wie könnte eine Citizen Science-Projektfinanzierung aussehen?“ und „Welche Unterstützungen würden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch abseits von Fördergeldern benötigen, um Citizen Science-Projekte erfolgreich durchführen zu können?“. Die Ergebnisse der Session gaben uns einiges an Input, das wir in den zukünftigen Planungen der Organisationen berücksichtigen werden.

Alles in allem war es eine sehr spannende Konferenz. Als Mitorganisatoren und Unterstützer der Österreichischen Citizen Science Konferenz freuen wir uns über den heurigen Erfolg und sind auch im nächsten Jahr an der Universität Wien vom 5.-8. Mai 2020 dabei.

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