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Citizen Science in und an Schulen – ein Erfolgsmodell

Schulen sind ausgezeichnete Partner für Forschungsprojekte, da es sowohl für Forscherinnen und Forscher als auch für Lehrpersonen zahlreiche Gründe gibt, Citizen Science in den Unterricht zu integrieren. In Österreich arbeiten Schulen seit 2007 im Rahmen des Forschungsprogramms Sparkling Science erfolgreich mit Forschungseinrichtungen zusammen, aber auch in Amerika hat Citizen Science schon lange Tradition. Kein Wunder, dass die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Schule in diesem Jahr auch Thema bei der CitSci2019-Konferenz, die von 13.-17. März 2019 in Raleigh, USA, stattgefunden hat, war.

Dort berichtetet Rachael Polmanteer in ihrer inspirierenden Keynote „Citizen Science: Creating Authentic Learning Opportunities for Students“ von ihren Erfahrungen mit Citizen Science im Unterricht. Als Biologie-Lehrerin an der Wake County Public School kam sie 2016 durch das Projekt eMammal mit Citizen Science in Kontakt. Seither organisiert sie regelmäßig Citizen Science-Workshops für Lehrkräfte sowie sogenannte BioBlitzes, führte Unterrichtsstunden im Freien ein und entwickelt regelmäßig neue Lehrpläne auf der Grundlage von Citizen Science-Projekten.

Stephanie Schuttler, Leiterin des Citizen Science-Projekts eMammal, besuchte die Konferenz als Forscherin und verfasste, basierend auf der Keynote von Rachael Polmanteer und ihren eigenen Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Schulen, einen Beitrag mit 13 Gründen, Citizen Science in den Unterricht zu integrieren. Diese zeigen, dass Schülerinnen und Schüler wie auch Lehrkräfte von einer Teilnahme an Citizen Science-Projekten profitieren:

  • Citizen Science kann einzelne Schülerinnen und Schüler verändern: Durch die Teilnahme an Citizen Science-Projekten kann sich der weitere Bildungsweg von Schülerinnen und Schülern verändern. So sind Kinder, die vor einer Projektteilnahme kein Interesse an Forschung zeigten, danach oftmals an einer wissenschaftlichen Laufbahn interessiert. Das zeigten auch die Ergebnisse eines Citizen Science-Projekts: 76% der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler waren im Anschluss mehr an Wissenschaft interessiert, 54% waren prinzipiell mehr an Schule interessiert.
  • Die Ergebnisse von Citizen Science sind unbekannt: Im Vergleich zu traditionellen Laborexperimenten in der Schule sind die Ergebnisse von Citizen Science-Projekten für Schülerinnen und Schüler nicht vorab bekannt, da die Fragen noch nicht untersucht wurden.
  • Schülerinnen und Schüler machen Entdeckungen, die wichtig für die Forschung sind:
  • Schülerinnen und Schüler können von ihren eigenen Erfahrungen lernen und sich gegenseitig etwas beibringen: Sie geben ihr Wissen an andere weitere und motivieren damit auch diese, teilzunehmen.
  • Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten haben zu lernen, können mit Citizen Science lernen: Kinder, die etwa die Unterrichtssprache nicht verstehen oder nur schwer lesen können, können mit Citizen Science-Methoden auf andere Weise lernen.
  • Citizen Science ist kein Zusatzaufwand, sondern es ersetzt andere Aktivitäten: Lehrkräfte, wie Rachael Polmanteer, erstellen das Curriculum für ein Fach rund um ein Citizen Science-Projekte. Dadurch entsteht kein Mehraufwand für Lehrpersonen, vielmehr werden die Projekte oftmals als Unterstützung zur Erfüllung der Curricula wahrgenommen.
  • Man kann sich mit echten, aktiven Forschenden austauschen: In einem Citizen Science-Projekt kommen Schülerinnen und Schüler wie auch Lehrkräfte mit aktuellen Forschenden zusammen.
  • Citizen Science verbindet Schülerinnen und Schüler mit ihrer Umwelt: Daten in Citizen Science-Projekten sind real, wodurch Schülerinnen und Schüler etwas über ihre Umwelt, ob lokal oder global, lernen.
  • Citizen Science inspiriert auch Lehrkräfte: Auch bei Lehrkräften kann das Interesse an einem vorher uninteressanten Themenbereich durch Citizen Science-Projekte gesteigert werden.
  • Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für ihr Projekt: Schülerinnen und Schüler nehmen die Datensammlung und -analyse sehr ernst und übernehmen Verantwortung, wenn ihre Daten für wissenschaftliche Forschungsvorhaben verwendet werden.

Warum Forschende mit Schulen zusammenarbeiten sollten?

In der Zusammenarbeit mit Schulen entsteht auch für Forschende und Projekte ein Mehrwert. Lehrpersonen, die in Workshops von den Projektleitungen gezielt für die Forschungsarbeit geschult werden, tragen ihr Wissen in die Klassen weiter. Damit werden zahlreiche Schülerinnen und Schüler erreicht. Durch die gezielte Schulung können Lehrkräfte auch eine erste Kontrolle der von den Jugendlichen erhobenen Daten durchführen. Dies steigert wiederum die Qualität der gesammelten Daten.

Durch die Einbindung von Schulklassen in Forschungsvorhaben erhöht sich zudem die Chance, Projekte regional auszudehnen und mehr Citizen Scientists einzubinden. Die Mitforsch-Möglichkeiten werden zuerst in einigen Schulen getestet und anschließend in anderen Regionen wiederholt. Durch die Teilnahme von Schulen erhöht sich zudem die Bekanntheit der Projekte, da Schülerinnen und Schüler oftmals als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren fungieren.

 

Haben auch Sie Lust bekommen mitzuforschen?

Das Young Science-Zentrum, als ein Schwerpunkt im Zentrum für Citizen Science, bietet österreichischen Schulen und Forschungseinrichtungen vielfältige Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten und zusammenzuarbeiten. Auf der Webseite des Young Science-Zentrums finden Forschende Kontaktstellen an Schulen, die für Citizen Science-Projekte und Kooperationen mit Forschungseinrichtungen zuständig sind.

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