NBI goes Citizen Science

Der Waldrapp zählt zu den am meisten bedrohten Vogelarten der Welt. Seine ökologischen Präferenzen standen im Fokus dieses Projektes.

Vögel, Waldrapp, Lebensraum

Das Projekt auf einen Blick

Wissenschaftsbereich: Naturwissenschaften
Ort: Oberösterreich
Arbeitsweise: ohne PC/Handy, mit PC/Handy
Ausstattung für Citizen Scientists: Kamera oder Smartphone für die Datenerhebung; Smartphone, Tablet oder Computer mit Internet für die Dateneingabe; optional Fernglas; Bestimmungsliteratur Vögel
Tätigkeiten der Citizen Scientists: beobachten, fotografieren
Zielgruppe: Jugendliche und Erwachsene
Projektlaufzeit: 01.09.2017 - 31.12.2019
Zeitraum zum Mitforschen: 01.10.2017 - 31.08.2019
Zeitaufwand zum Mitforschen: Beobachtungen im Freiland beliebig oft, ca. 15 Min.

Projektziel

Der Waldrapp (Geronticus eremita, NBI) zählt zu den am meist bedrohten Vogelarten der Welt. Die ortsfeste, freifliegende, individuell markierte und an Menschen habituierte Waldrappkolonie der Core facility KLF für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien in Grünau im Almtal (Oberösterreich) liefert seit 1997 wichtige Informationen über das Sozialverhalten dieser Koloniebrüter, welche in den vergangenen Jahren als „Know–how“ für mehrere Ansiedlungsprojekte dienten.

Ziel des Projektes war es, den Forschungsansatz des bereits laufenden Haupt-Projektes unter Miteinbeziehung von Laien nach den Kriterien von Citizen Science zu erweitern. Konkret zielte das Erweiterungsprojekt darauf ab, ökologische Informationen über die Aufenthaltsorte der frei fliegenden NBI-Kolonie der KLF zu gewinnen.

Die Vögel verbringen den Winter und die Brutsaison im Almtal, während sie über den Sommer in ca. 30 km Luftlinie Entfernung von der KLF zu finden sind (diese Gewohnheit hat sich seit 2008 etabliert). Diese Tradition macht langfristiges Monitoring extrem zeit- und kosten- aufwendig für die Wissenschaft. Doch moderne Überwachungstechniken (z.B. Telemetrie) sowie neue Arbeitsmethoden (z.B. Citizen Science) könnten den Zugang zu diesen Informationen erleichtern. Zudem kann der Einsatz modernster Technik, wie Apps oder Social Media den Wissenschaftler/innen gestatten, ansonsten zu aufwendige Ziele zu erreichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass NBI ihre Nahrungsgebiete nach verschiedenen ökologischen Parameter wählen: Flächen mit einem hohen Abstand zu Straßen, Häuser und Bäume sowie kurze Vegetation sind klar bevorzugt. Habitatwahl hängt vor allem von der aktuellen Ressourcenverfügbarkeit ab. Weitere Ergebnisse zeigen, dass die NBIs recht konservativ mit Raum und Ressourcen umgehen und dieselben Futterplätze über mehrere Jahre hinweg immer wieder aufsuchen. Unsere Ergebnisse weisen jedoch auch auf die Notwendigkeit von Langzeitstudien über die Wirkung von Biologgern auf Verhalten und Physiologie hin. In der Tat, auch wenn in unserem Fall die GPS-Sender das Verhalten im NBI nicht messbar beeinflussten, so beeinflussten sie doch die Stressreaktion, was Langzeitstudien erforderlich macht, z.B. für die Untersuchung möglicher Auswirkungen auf den Reproduktionserfolg.

Die Präsentation der laufenden Forschung über die sozialen Medien motivierte tatsächlich Laien, sich der Monitoring-Community anzuschließen, und es gelang, eine dauerhafte Zusammenarbeit mit nationalen Partnern wie dem Nationalpark Kalkalpen aufzubauen. Die Tatsache, dass die Datenerhebung ortsgebunden war und nur eine bestimmte Vogelart betraf, die zudem nicht so häufig vorkommt, trug sicherlich dazu bei, dass sich nur wenige Teilnehmer*innen aktiv an dem Projekt beteiligten. Abschließend soll die Resonanz der wissenschaftlichen Ergebnisse dazu beitragen, die Methoden zur erfolgreichen Einbindung von Bürgerwissenschaftlern in die NBI-Forschung weiterzuentwickeln.

Wie konnte man mitforschen?

Anhand einer App wurden Bürgerinnen und Bürger bei der Erhebung von Informationen über die Qualität der Wiesen, welche von der freifliegend und individuell markierten Waldrapp-Kolonie der Core facilty KLF (Universität Wien, Grünau im Almtal, OÖ) besucht werden, miteinbezogen. Sekundarschulkinder bekamen die Möglichkeit, die App mitzugestalten und sie auf ihre Anwender/innenfreundlichkeit zu testen.

Was passierte mit den Beiträgen der Citizen Scientists?

Die Beiträge der Citizen Scientists flossen in große Datensätze, die zu den wissenschaftlichen Ergebnissen des Projekts beitrugen und in Form von Konferenzbeiträgen und Peer-Review-Artikeln disseminiert wurden.

Beteiligte und unterstützende Einrichtungen

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