Namen, Gräber und Gedächtnis. Die “Heil- und Pflegeanstalt” Mauer-Öhling in der NS-Zeit

Am Friedhof des Landesklinikums Mauer sind Hunderte Opfer der NS-„Euthanasie“ begraben. Welche Vorgänge fanden dort genau statt?

Euthanasie, NS-Zeit, Geschichte

Das Projekt auf einen Blick

Wissenschaftsbereich: Geisteswissenschaften
Ort: Mauer-Öhling, Amstetten, St. Pölten
Arbeitsweise: ohne PC/Handy
Tätigkeiten der Citizen Scientists: Idee einbringen, sammeln, analysieren, sonstiges
Zielgruppe: Jugendliche und Erwachsene
Projektlaufzeit: 01.08.2019 - 30.04.2020
Zeitraum zum Mitforschen: 15.09.2019 - 30.04.2020
Zeitaufwand zum Mitforschen: Je nach Engagement: Interview ca 30-60 Minuten; Besuch der Workshops jeweils 2 Stunden; schriftliche oder mündliche Mitteilung nach Aufwand

Projektziel

Die hohe Zahl der im Zuge der NS-„Euthanasie“ in Mauer-Öhling Ermordeten oder durch Hunger, Vernachlässigung und falsche Medikation ums Leben Gebrachten machte im November 1944 eine Erweiterung des Anstaltsfriedhofs um 300 Grabstellen notwendig. Heute ist davon keine Spur mehr zu sehen. Das Projekt setzte sich daher das Ziel, mit Citizen Scientists den erweiterten Anstaltsfriedhof und damit die dort Begrabenen ins öffentliche Bewusstsein zu holen. Durch biographische Forschung und Interviews mit Angehörigen von Opfern und dem damaligen medizinischen Personal sollten die Lebensgeschichten der vergessenen Opfer rekonstruiert werden. Grundlegend werden Methoden und Grenzen der Oral History, Narrative im Familiengedächtnis, Auseinandersetzung mit Schuld, Scham und Verantwortung sowie Strategien wie Verdrängung, Relativierung und Schweigen diskutiert. Die Citizen Scientists weurden ermutigt, Formen der Gedenkkultur anzuregen.

Wie konnte man mitforschen?

Mehr als 400 Personen besuchten die Veranstaltungen und Präsentationen in Amstetten und St. Pölten, viele brachten sich in die intensiven Diskussionen ein. 13 Citizen Scientists – Angehörige von Opfern, Mitarbeiter/innen des Landesklinikums Mauer und Regionalhistoriker –  übernahmen, angeleitet durch das Projektteam, eigenständige Forschungsaufgaben. Stellvertretend für die Massengräber wurde das Grab Nummer 64 ausgewählt, das sich aufgrund einer noch vorgefundenen Marke örtlich zuordnen lässt. Ausgehend von ihren persönlichen Interessen erforschten die Citizen Scientists die Biographien und Schicksale von fünf darin Beerdigten sowie sieben weiteren NS-„Euthanasie“-Opfern – aus der eigenen Familie, dem eigenen Wohnort oder aus unterschiedlichen Opfergruppen. Ein Teilnehmer wertete die entsprechenden Informationen in der Pfarrchronik von Mauer-Öhling aus, ein weiterer untersuchte die für einige Insassen todbringende Räumung der Altersheime im Bezirk Amstetten.

Was passierte mit den Beiträgen der Citizen Scientists?

Die Beiträge und Ergebnisse wurden bei den Schlussveranstaltungen im Rathaus Amstetten präsentiert und flossen in die Publikationen, Vorträge und Initiativen des Gedenkens ein. Zudem zeigt das Engagement der Citizen Scientists auch eine weitere Wirkung: gemeinsam mit dem Landesklinikum Mauer wird über eine würdige Gestaltung des Anstaltsfriedhofs nachgedacht.

Beteiligte und unterstützende Einrichtungen

Kontakt

PD Dr. Martha Keil
martha.keil@injoest.ac.at

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