Lehmbau im Weinviertel

Lehm, über Jahrhunderte als Baumaterial von großer Bedeutung, verschwindet zunehmend als „Gestalter“ unserer Kulturlandschaft.

Lehm, Weinviertel, Kultur

Das Projekt auf einen Blick

Wissenschaftsbereich: Kunst und Kultur
Ort: Weinviertel, Niederösterreich
Arbeitsweise: mit PC/Handy
Ausstattung für Citizen Scientists: Smartphone oder Tablet mit Internetzugang oder alternativ ein PC/Laptop mit Internetzugang sowie eine digitale Kamera
Tätigkeiten der Citizen Scientists: Idee einbringen, fotografieren, kartieren, online testen, analysieren
Zielgruppe: Jugendliche und Erwachsene
Projektlaufzeit: 01.07.2017 - 30.06.2019
Zeitraum zum Mitforschen: ab 16.04.2018
Zeitaufwand zum Mitforschen: Abhängig von der Intensität der Teilnahme: Die Aufnahme einzelner Objekte (z.B. Zufallsfunde) dauern nur wenige Minuten, systematische Aufnahmen einer Region mehrere Stunden (z.B. Workshops, Exkursionen)

Projektziel

Abhängig von den lokalen Rohmaterialressourcen war Lehm über Jahrhunderte als Baumaterial in vielen Regionen Österreichs von Bedeutung und damit ein zentraler ökonomischer und gesellschaftlicher Treiber. Mit dem lokalen Vorhandensein von bestimmten Lehmqualitäten wurden bestimmte Lehmbautechniken zu unverwechselbaren Markern in der Weinviertler Kulturlandschaft. Die meisten der ehemaligen Abbaustellen sind heute stillgelegt und der Öffentlichkeit nicht mehr bekannt. Lehmbauten werden häufig umgebaut oder abgebrochen, was ein kontinuierliches Schwinden des traditionellen Lehmbaubestandes und damit eines Teils der Weinviertler Bauidentität bedeutet. Die Sammlung und Dokumentation von lokalem Wissen über historische Lehmbautechniken sind Voraussetzung, um die Geschichte des Lehmbaus neu zu interpretieren und zukunftsfähige Anwendungen für Lehm zu entwickeln.

Wie konnte man mitforschen?

Im Projekt konnten interessierte Citizen Scientists mit ihrem lokalen Wissen einen Beitrag leisten, um die Wissensbasis zur Lehmbaugeschichte des Weinviertels zu vertiefen. Ausgehend von einer Web Applikation für räumliches Lernen, entwickelt im Sparkling Science Projekt "ThinkSpatial!", wurden die Rahmenbedingungen für den Einsatz dieses Werkzeugs für Citizen Science-Projekte definiert und für das Thema Lehmbau im Weinviertel praktisch umgesetzt. Im Fokus standen dabei rechtliche Rahmenbedingungen wie Datenschutz, Persönlichkeits‐ und ‐Urheberrecht sowie die Entwicklung von Materialien zur Schulung und Sensibilisierung von Citizen Scientists. Mithilfe der App konnten Citizen Scientists Lehmbauten mit Fotos dokumentieren und mit Hilfe eines Online-Erhebungsbogens klassifizieren.  

Um das Thema Lehmbau für verschiedene Gruppen interessant aufzubereiten, wurden im Projekt unterschiedlichste Materialien entwickelt. Ein Handbuch beschreibt die wichtigsten Lehmbautechniken, Präsentationen und Karten informieren über die Entwicklung und Bedeutung des Lehmbaus weltweit und in Österreich und ein Lehmbau‐Quiz erlaubt einen spielerischen Zugang zum Thema. Rechtliche Informationen wurden visuell und verständlich formuliert aufbereitet. Besonders in der Zusammenarbeit mit jungen Menschen zeigte sich, dass diese kaum Wissen über das Lehmbauerbe in ihrer Region besitzen, aber sehr interessiert daran waren von älteren Menschen darüber zu hören, um so das eigene Lebensumfeld aus einem anderen Blickwinkel kennenzulernen. Dementsprechend wurde ein Interviewleitfaden erstellt, um generationenübergreifendes Lernen zu fördern. Alle im Projekt entwickelten Materialien stehen für Interessierte auf der Projektwebseite zur Verfügung. Die intensive Kooperation mit Lehmbau‐spezifischen Fachgruppen und Organisationen stellt eine längerfristige Nutzung der entwickelten Web‐Plattform sicher ‐ ein zentraler Faktor für erfolgreiche Citizen Science-Projekte.

Was passierte mit den Beiträgen der Citizen Scientists?

Die Beiträge der Citizen Scientists wurden auf einer Website als WebGIS-Anwendung veröffentlicht und durch weitere Analysen ergänzt und erweitert. Das gesammelt Wissen floss außerdem in wissenschaftliche Publikationen ein. Die Plattform kann auch für Bildungszwecke (z.B. für Schulen, Exkursionen, Workshops) verwendet werden.

Das Projekt "Lehmbau im Weinviertel" zeigt, dass Methoden aus dem Bereich der Wissenschaft‐Bildungskooperation auch auf eine breitere Basis, im Sinne eines Citizen Science-Ansatzes, gesetzt werden können. Die Herausforderung die sich durch die Kollaboration mit einer diversen Gruppe von Citizen Scientists ergeben, dürfen aber nicht unterschätzt werden: Es braucht Information über rechtliche Aspekte und gute Schulungsmaterialien, um eine hohe Datenqualität zu erreichen.

Beteiligte und unterstützende Einrichtungen

Kontakt

DI Dr Thomas Schauppenlehner
thomas.schauppenlehner@boku.ac.at

Projektwebseite: http://lehmbau.boku.ac.at

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